Aschdod und Jerusalem. Eine archäologische und exegetische Untersuchung zu den Beziehungen von südpalästinischer Küstenebene und judäischem Bergland
Zur Arbeit:
Die prämierte Arbeit untersucht die Beziehungen Jerusalems mit der Mittelmeerküste am Beispiel der Philisterstadt Aschdod für den Zeitraum von der Mittelbronzezeit bis zur frühhellenistischen Epoche (ca. 1500 Jahre). In einem ersten Hauptteil werden archäologische Funde und außerbiblische Textquellen ausgewertet. Im Ergebnis lassen sich umfangreiche ökonomische und kulturelle Kontakte sowie Migrationsbewegungen zwischen beiden Regionen nachweisen. In einem zweiten Hauptteil steht die Auswertung aller Aschdod-Textbelege im Alten Testament, wie die Erzählung vom Raub der Bundeslade durch die Philister (1 Sam 5f.), im Zentrum. Im Gegensatz zu den anhand der materiellen Kultur nachgewiesenen kooperativen Beziehungen zielen die theologischen Diskussionen über Aschdod (meist) auf eine religiöse, kulturelle und ethnische Abgrenzung von der Philisterküste. Die Arbeit ist 2023 bei Mohr Siebeck als ORA 53 erschienen.
Zur Person:
Dr. Felix Hagemeyer, geb. 1987. Studium der Evangelischen Theologie (Dipl. Theol. Univ.) und der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie (B. A. und M. A.) an der Universität Leipzig und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. 2013–2015 Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. 2016–2023 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Leipzig; Forschungsaufenthalte an der Tel Aviv University und Mitarbeit im Ashdod-Yam Archaeological Project (Israel). 2022 Promotion zum Dr. theol. (Altes Testament und Biblische Archäologie) an der Universität Leipzig. Seit 2023 Schnittleiter/Area Supervisor im Tell el-Badawiya/Hannathon Archaeological Project in Untergaliläa (Israel). Seit 2024 Carl von Ossietzky Young Reseachers' Fellowship an der Universität Oldenburg. Aktuelles Forschungsprojekt über bronzezeitliche Ruinen am Toten Meer und deren literarische Rezeption als Sodom und Gomorra im Alten Testament.
Ein Tempel aus Lobgesang. Das dritte Kapitel des griechischen Danielbuches
Zur Arbeit:
Das dritte Kapitel des griechischen Danielbuches unterscheidet sich in seiner Endgestalt stark von der aramäisch-hebräischen Textversion. Mit dem „Gebet des Azarja“ und dem „Lobgesang der drei Männer im Feuerofen“ enthalten sowohl die Septuaginta- als auch die Theodotion-Fassung des Danielbuches (LXX/Θ) zwei theologisch kunstvoll komponierte und zutiefst biblisch vernetzte poetische Texte. Sie prägen das Kapitel Dan 3LXX/Θ mit seinen fast 100 Versen in auffälliger Weise und verändern seinen Aussagegehalt grundlegend. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt dabei auf einer rezeptionsästhetischen Perspektive, die die kompositorische Eigengestalt der griechischen Textfassungen ernstnimmt und herausstellt. Im Gegensatz zur bisherigen exegetischen Beschäftigung mit Dan 3, bei der vor allem die Text- und Redaktionsgeschichte im Vordergrund stand, wird dabei für die eigenständige Wahrnehmung der vorliegenden griechischen Textkomposition plädiert. Letztere wird in ihrer narratologischen und poetischen Qualität erschlossen. Daraus folgt nichts anderes als eine umfassende Neubewertung der theologischen Statik des gesamten Kapitels Dan 3LXX/Θ, insbesondere im Gegenüber zur masoretischen Fassung von Dan 3. Die Arbeit ist 2024 bei Peter Lang als ÖBS 59 erschienen.
Zur Person:
Simeon Benedikt Gloger OSB, Jahrgang 1988, studierte katholische Theologie in Trier, Jerusalem (37. Theologisches Studienjahr) und München. Im Anschluss an den an der Katholisch-Theologischen Fakultät Trier erworbenen Titel Magister Theologiae (Mag. Theol.) trat er 2013 in die Benediktinerabtei Dormitio B.M.V. in Jerusalem ein. Nach Profess (2015) und Priesterweihe (2019) begann er sein Promotionsstudium bei Prof. Dr. Egbert Ballhorn am Institut für Katholische Theologie der Technischen Universität Dortmund. 2023 wurde an der Ruhr-Universität Bochum in Kooperation mit dem Institut für Katholische Theologie der TU Dortmund promoviert (Zweitgutachter: Prof. Dr. Christian Frevel). Bereits seit 2015 ist Pater Simeon Studienpräfekt am Theologischen Studienjahr der Abtei Dormitio und nimmt dort auch gelegentlich Lehraufträge wahr. Zudem verantwortet er die Kirchenmusik in der Dormitio-Basilika und ist Leiter der theologisch-wissenschaftlichen Fachbibliothek auf dem Jerusalemer Zionsberg.